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Heimstatt für Wöschgäilde, Reff, Löbbe und Schrooche

Private Sammlung von Heinrich Muth in Katzenbach

Titelseite Muth Museum

Über vier Jahre lang „verschwand“ Heinrich Muth so gut wie jede freie Minute hinter der verschlossenen Türe seiner alten Scheune in der Weiherstraße 7 in Katzenbach. Aus ihr drangen zwar kontinuierlich handwerkliche Geräusche, so richtig gewusst, was da passiert, hat aber - bis auf seine Ehefrau Lydia - groß niemand. Im Stillen hat der 60-Jährige dort eine gut geordnete und breit sortierte Ausstellung land- und hauswirtschaftlicher Geräte sowie sonstiger alltäglicher Gebrauchsgegenstände geschaffen, die den gesamten Markt Burkardroth auf kultureller Ebene ansprechend bereichert. Sie beeindruckt mit harmonischer Vielfalt und hat musealen Charakter. Was andernorts in der Regel mangels Platz weggeworfen wurde/wird, erfährt hier Achtung, Aufmerksamkeit und Wertschätzung.

Auf drei Etagen verteilen sich weit über 1.500 Exponate, die der gelernte Elektroinstallateur aus Katzenbach, Lauter, Poppenroth und weiteren umliegenden Ortschaften zusammengetragen hat. Rund 60 % stammen aus dem Besitz von Albin Geis. Der Großvater von Lydia Muth war Schreiner und hat alles noch von Hand gefertigt. Seine Initialen finden sich auf unzähligen Werkzeugen, Tischen und Truhen. Die 1926 gebaute Scheune gibt mit ihren Sand- bzw. Backsteinwänden einen optimal passenden Rahmen, auch die Fußböden sind weitgehend im ursprünglichen Zustand gut erhalten. Hier passt der Aphorismus des Dichters und Romanautors Gottfried Keller treffend: „Lasst uns am Alten so es gut ist halten. Doch auf altem Grund Neues schaffen zu jeder Stund.“

Heinrich Muth gesteht freimütig: „Mich hat die Sammelleidenschaft schon immer gepackt und ich kann mich nur schweren Herzens von etwas trennen.“ Deshalb hat sich u. a. auch sein erstes Spielzeug über die Jahrzehnte erhalten: ein Auto aus Holz (später wurde er übrigens erfolgreicher Geschicklichkeitsfahrer).

2009 reifte dann die Idee, die „gesammelten Werke“ der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dazu mussten diese aber natürlich erst präsentabel aufgemöbelt bzw. dafür entsprechende Flächen gefunden und hergerichtet werden. „Die alte Scheune hat sich förmlich aufgedrängt“, so der frühere Außendienstmitarbeiter der Deutschen Telekom. Über 40 Jahre war er dort beschäftigt. Seit September 2012 ist er im Vorruhestand und suchte für sich einen sinnvollen Ausgleich: „Das Einkaufen und den Haushalt wollte ich meiner Frau nicht streitig machen und gewerkelt habe ich schon immer sehr gerne.“ Sein handwerkliches Geschick wuchs zum Hobby. In mühevoller Arbeit wurden die kleinen und großen Exponate sorgsam gesäubert, entrostet, ausgebessert und restauriert. Vieles wurde geflickt, geschliffen, ergänzt oder neu gestrichen. Manches erhielt neuen Glanz. Anderes, was in Würden ergraut war, wird ganz bewusst mit entsprechender Patina präsentiert (zum Teil in beleuchteten Vitrinen).

Aus Heinrich und Lydia Muth sprudelt es nur so heraus. Beiden ist die Begeisterung ins Gesicht geschrieben (ohne jene wäre so ein gewaltiges Projekt auch nicht zu stemmen). Mit großer Hingabe, Leidenschaft und Enthusiasmus erklären sie Stück für Stück. Sie wissen genau, was was ist, für was es Verwendung fand und woher es stammt: „Damit wurden Heidelbeeren gepflückt und damit Butter gestampft. Auf dem ‚Schrooche‘ wurde das tote Schwein geputzt und auf dem ‚Darrhuet‘ trockneten die frischen Würste, aber auch Dörrobst. Mit der ‚Löbbe‘ trugen die Kinder Brunnenwasser aufs Feld zu den dort Arbeitenden. In der ‚Wöschgäilde‘ wurde die große Wäsche gewaschen. Als ‚Reff‘ bezeichnete man die Sense mit überlaufendem Bügel, was beim Schneiden des Getreides dienlich war.“ Bei zahlreichen Gegenständen lässt sich sogar ein Vergleich ziehen. Fotos vom Altzustand lassen erahnen, welche Geduld und wie viel Herzblut es erforderte, um die sogenannte „gute alte Zeit“ wach zu halten. Allein für einen Küchenschrank schlug ein zeitlicher Aufwand von ca. 100 Stunden zu Buche.

„Tradition zu wahren und zu pflegen ist nicht das Halten der Asche, sondern die Weitergabe der Flamme.“ Genau das möchte Heinrich Muth mit der Ausstellung in der alten Scheune. Erreichen möchte er insbesondere die Jugend, damit diese anschaulich und begreifbar sieht, wie es „damals“ zugegangen ist, mit was gearbeitet wurde bzw. wie mühselig einzelne Arbeitsvorgänge waren.

Auch Privatpersonen sind herzlich willkommen.
Der Eintritt ist frei.
Es bedarf lediglich der vorherigen mündlichen
oder telefonischen Terminabsprache:
0 9 7 3 4  -  7 7 5 2

Muth Museum Seite 2